„RES Pionier 2025“ – Teil 2

präsentiert von RESpilot.de (Autor Karsten Jarausch)

Der zweite Teil des Bauberichts zum "RES Pionier 2025" beschäftigt sich mit dem Bau der einteiligen Tragfläche. Aus Gründen der Übersichtlichkeit habe ich die zu Beginn des Projekts durchgeführte Fertigung der Musterripen nachträglich diesem Teil des Bauberichts zugeordnet.

Ein in das Programm "Solid Edge" importiertes und hier millimetergenau angepasstes Foto vom Bauplan dient als Vorlage für das Zeichnen der Musterrippe. Diese Zeichnung wird weiter modifiziert, anschließend ausgedruckt und als Papierschablone auf das Sperholz geklebt. Mit der Laubsäge und einem Bandschleifer werden die beiden Musterrippen auf Kontur gebracht. Die Feinarbeit erledigen Schleiflatten und kleine Spezialfeilen.

Auf dem Bild 34 erkennt man die um 2 mm verlängerte Musterrippe, um mit dem Einsatz einer geschlitzten Endleiste die Festigkeit des Flügels zu verbessern! Später entsteht noch eine Teilschablone mit der Bohrung für den CFK-Stab der Klappenanlenkung und der Aussparung für die Bremsklappen. Diese einfache Hilfsschablone sollte für die Anfertigung der wenigen Sonderrippen völlig ausreichen.


Bild 30 - Das in Solid Edge importierte Foto mit der blau gezeichneten Rippe

Bild 31 - Fertig zum Ausdruck, die Vorlagen der Musterrippen

Bild 32 - Die Vorbereitung für die Feinarbeit

Bild 33 - Das Ergebnis, saubere Musterrippen

Bild 34 - Ein letzter Qualitätscheck auf dem Bauplan

Der nächste Schritt besteht aus viel Schleifarbeit, verbunden mit jeder Menge Balsastaub. Der vorsichtige Einsatz des Band- bzw. Tellerschleifers leistet hier gute Dienste! Abweichend vom Bauplan entstehen alle Flügelrippen aus 3 mm Balsaholz und die ursprünglich vorgesehenen 10 mm Rippen werden durch paarweise miteinander verleimte 5 mm Rippen ersetzt. Diese Abwandlungen verleihen den gesamten Flügel mehr Stabilität!

Einige der fertigen Rippen benötigen noch kleine Modifikationen. Insgesamt acht (8) Rippen des Mittelteils bekommen die schon erwähnte 2mm-Bohrung für den CFK-Stab der Klappenanlenkung, wovon wiederum vier (4) Rippen zusätzlich den Ausschnitt für die Bremsklappe erhalten. Jetzt zahlt sich die Hilfsschablone aus, da die Musterrippen bei der Bearbeitung der kleinen, aber zahlreichen Rippenpakete erheblich gelitten haben.


Bild 35 - Der erste Rippenblock nach der Bearbeitung

Bild 36 - Die 3-mm-Rippen aus dem Block

Bild 37 - Erledigt - alle Rippen sind gefertigt

Konzeptionelle Überlegungen begleiten den Bau von Anfang an und so entstand die Idee, das Tragflächenmittelstück mit einem modernen und robusten Sandwich-Holm auszustatten. Die Fertigung des Holms zwischen zwei 3mm-Aluprofilen war überraschend einfach, aber viel wichtiger, das Teil macht einen sehr stabilen Eindruck und ist ausreichend flexibel!

Das Bild 39 zeigt den Holm, bestehend aus zwei 3x0,6 mm CFK Profilen und einer 3x4 mm Kiefernleiste. Übrigens, die "RESilience" Klappe auf dem Bild könnte durchaus passen. Bevor der Aufbau startet, enstehen noch die geschitzten Endleisten und drei kleine Anlenkungsteile für die Bremsklappen. Diese Teile werden beim Einschieben des 2mm-CFK-Stabs an ihrer Position lose aufgefädelt, später justiert und dann endgültig verklebt.


Bild 38 - Der Rumpf wartet auf seinen Flügel

Bild 39 - Der Holm bei der Anprobe

Das Mittelstück des Flügels nimmt langsam Gestalt an. Es ist, wie bei herkömmlichen RES-Modellen auch, das aufwendigste Bauteil der einteiligen Tragfläche. Der CFK-Stab für die Klappenanlenkung sitzt perfekt in den mit Sekundenkleber gehärteten Führungslöchern und ist ausreichend leichtgängig. Er trägt bereits den beim Einbau aufgefädelten, aber noch nicht verklebten Anlenkhebel für die Ansteuerung vom Klappenservo.

Beim Blick auf das bald fertige Mittelstück fallen sofort die doch recht großen Rippenabstände auf, die eigentlich den Einsatz von Halbrippen verlangen. Mal schauen, die abschließende Entscheidung hat ja noch bis zum Bügeln Zeit. Richtig cool machen sich die leicht gestutzten "RESilience"-Klappen, die dank einer Baufehler-Nachbestellung ungenutzt herumlagen. Die Klappenrahmen selbst entstanden völlig spontan am Baubrett!


Bild 40 - Das fertig verschliffene Mittelstück

Bild 41 - Der 2mm-CFK-Stab mit dem zentralen Anlenkhebel

Bild 42 - Eine richtig gute Lösung

Das ging dann doch zügiger als gedacht, das Mittelstück hat nach nochmaliger Begutachtung die Halbrippen erhalten. Tatsächlich handelt es sich hier um einfache Balsastege, die mit etwa halber Profildicke nur der gewölbten Oberseite zugutekommen. Optisch haben sich die zwei Stunden Zusatzarbeit schon mal gelohnt und es bleibt die Hoffnung, dass sich später die höhere Profiltreue auch in den Flugleistungen bemerkbar macht!

Die folgenden Arbeiten an der Auflage erweisen sich als sehr zeitintensiv! Jedes Maß, jede Position wurde mehrfach kontrolliert und immer wieder abgeglichen, weil es letzten Endes um die exakte Ausrichtung des Tragflügels geht. Aus Erfahrung weiß man, langsames und konzentriertes Arbeiten sind hier einfach Pflicht! Das gilt auch für das finale Verkleben, damit nicht noch ein Tropfen Kleber in die Anlenkung läuft.


Bild 43 - Gut erkenbar, die quasi schwebenden Halbrippen

Bild 44 - Ein Größenvergleich, das Mittelstück und ein 'Purito' Leitwerk

Bild 45 - Exakt ausgerichtet und verklebt, das Auflagebrettchen mit dem Pogo-Pin

Bild 46 - Das ganze in der Draufsicht noch ohne die obere Beplankung

Bild 47 - Einer der beiden noch lose aufgefädelten Anlenkhebel

Bild 48 - Sitzt passgenau, der erstmals verschraubte Flügel

Die obere Beplankung aus 0,4 mm Sperrholz beherbergt das etwas dezentral angeordnete Klappenservo. Trotz der vorhandenen Profilhöhe ging es beim Einbau ziemlich knapp zu. Die bei einem ersten Praxistest ermittelte Rotation des CFK-Stabes sollte ausreichen, den angestrebten 90°-Vollausschlag der Klappen über die Anlenkhebel zu realisieren. Fazit, das Anlenksystem funktioniert erfreulich gut und arbeitet weitgehend spielfrei!

Die Liste der Restarbeiten ist jetzt echt überschaubar. Die Tragflächenohren bekommen noch Halbrippen, die Bremsklappen Halte-Magnete und alle Anschlussrippen den Schliff für die V-Stellung. Nach dem Verkleben der Anlenkhebel werden die drei Tragflächenteile plus Knickverstärker miteinander verleimt. Abschließend wird der Flügel mit Folie bespannt, die Klappen mit Tesa angeschlagen und ein dekorativer Schriftzug angebracht, fertig!


Bild 49 - Blick auf die Anlenkung und das mit Schrumpfschlauch fixierte Klappenservo

Bild 50 - Schnell gebaut, die beiden noch nicht getrennten Flügelohren

Bild 51 - Endlich Schluss mit Balsastaub, die komplett verschliffenen Tragflächenteile

Bild 52 - Die Anlenkhebel sind final fixiert und die Magnete verbaut

Bild 53 - Kontrolle der V-Stellung, passgenau angeschliffen

Bild 54 - Der letzte Schritt vor dem Bügeln, das Verleimen der Tragfläche

Bild 55 - Sicher ist sicher, der mit den Holmen verleimte Knickverstärker

Heute gab es einen eher spontanen Fototermin in der Sonne, bevor sich der schöne Tragflächenrohbau endgültig in sein Folienkleid einhüllt und damit die eigentliche Bauphase ihren Abschluss findet. Das weiß-violette Foliendesign mit den grünen Akzenten gefällt mir von Tag zu Tag besser. Ich finde, die Farbauswahl wirkt trotz der Kontraste unaufdringlich und unterstreicht dadurch die schlichte, etwas kantige Geometrie des Modells!


Bild 56 - Richtig schön eckig und irgendwie gigantisch klein

Bild 57 - Das Modell, noch einen Arbeitsschritt vom 'Ready to fly' entfernt

Ja nun, der Bau ist abgeschlossen und ich bin ziemlich glücklich, dieses schöne und sehr persönliche Projekt endlich verwirklicht zu haben! Es fühlt sich richtig gut an, nach so vielen Jahren wieder einen "Pionier" in der Hand zu halten, auch wenn das Modell damals mindestens doppelt so groß wirkte. Ich freue mich schon sehr auf die ersten Trimmflüge aus der Hand und natürlich auf den ersten Hochstart am Gummiseil!

Bautechnisch lief am Ende alles glatt, große Steine lagen ja auch nicht mehr im Weg! Ein wenig überrascht hat mich die erforderliche Menge an Trimmblei, aber was soll's, ohne Vorerfahrung ein Gewicht von 222 Gramm hinzubekommen, das war schon eine Ansage! Mal sehen, bis zu welcher Windstärke der Flieger überhaupt noch nach vorne fliegt? Die Tragfläche mit ihrem Sandwich-Holm hält eine Windstärke 3 jedenfalls locker aus!


Bild 58 - Geschafft, fertig gebügelt mit dezenten Design Akzenten

Bild 59 - Bereit zum Einfliegen, der 'RES Pionier 2025' mit 250 g Abfluggewicht

Ein paar Daten zum Modell:

Tragfläche: Spannweite 1070 mm, Gewicht 96 g, Profiltiefe 130 mm, Profil MVA 301
Rumpf: Länge 830 mm, Gewicht 126 g
Höhenleitwerk: Spannweite 400 mm, Profiltiefe 85 mm, Profil ebene Platte
Fluggewicht: 250 g (inklusive 28 g Trimmblei)
Schwerpunkt: 52 mm (40 %)
Elektronik: 3x Chaservo DS06, Empfänger Graupner 12L Hott, Akku 1S Lipo 600 mAh
Veröffentlicht in 2025, RES-Q (Querbeet), Werkstatt.