präsentiert von RESpilot.de (Autor Karsten Jarausch)
Das Projekt – Idee und Umsetzung
Ähnlich wie der "Kleine Uhu" im Westen hat der "Pionier" im Osten viele junge Modellflieger bei ihren ersten Bau- und Flugerfahrungen begleitet. Bei mir ist das jetzt fast auf den Tag genau 50 Jahre her und noch heute erinnere ich mich an den ersten eigenen Handstart oder die ersten winterlichen Trainingsflüge auf dem tief verschneiten Segelflugplatz in Brandenburg.
Der folgende Baubericht wird mit Sicherheit nicht die gesamte RES-Szene ansprechen, aber vielleicht animiert er den einen oder anderen dazu, selbst einmal ein eigenes Projekt abseits des Mainstreams zu wagen! Und wer weiß, vielleicht sieht man demnächst auch mal einen "Kleinen RES-Uhu"!
Beim Stöbern im Internet bin ich zufällig auf einen Anbieter gestoßen, der neben vielen anderen Retro-Modellen einen 1:1 Bauplan und einen Bausatz des "Pionier" anbietet. Damit war der Entschluss gefasst, mein "Pionier" wird 2025 als vollwertiges, vielleicht nicht ganz konkurrenzfähiges RES-Modell in die Luft gehen!
Mit dem Wissen um meine Balsaholz- und Materialvorräte plus dem Gedanken, möglichst viel selbst zu bauen, habe ich mich dann mit viel Vorfreude auf das Projekt für den Erwerb des 1:1-Bauplans entschieden!
Bei dem "1:1 Bauplan von Tailormadedecals" handelt es sich um hochwertiges Duplikat des Originals aus den 70er Jahren. Ein erstes Ausmessen des Bauplans bestätigt, dass der nötige Platz für Servos, Empfänger und Akku ausreichen sollte.
Die grundlegende Geometrie des Modells soll nicht verändert werden. Die Leitwerke entstehen in Fachwerkbauweise, und der Vollbalsastab des Rumpfes muss einem Kastenprofil weichen. All diese Modifikationen hatten wir bereits in den 70er Jahren bei der Freiflugversion umgesetzt, um das Modell insgesamt wettbewerbsfähiger zu machen. Schon damals werkelte in so einigen Modellen ein Zeitschalter der Firma Graupner. Der Flügel wird zeitgemäß mit zwei (2) Bremsklappen ausgestattet.
Der Rumpf, der auf dem Plan scheinbar einfach daherkommt, wartet mit so einigen Überraschungen auf! Der als Vollbalsastab konzipierte Leitwerksträger wird durch ein aus Balsa gefertigtes Kastenprofil ersetzt. Das schafft Platz für die nötigen Anlenkungen. Nach einer Sichtung meiner Materialvorräte entstand das Kastenprofil spontan auf dem Baubrett. Das Resultat kann sich sehen lassen, Gewicht und Festigkeit stimmen.
Kleiner Wermutstropfen, nach dem Verschleifen musste ich feststellen, dass von den ursprünglichen 10 mm Breite noch genau 9,2 mm übrig waren. Klingt unspektakulär, engt aber den schon knappen Innenraum der Rumpfkeule weiter ein. Gleichzeitig erfordert dieser Lapsus ein wenig Mehrarbeit, weil alle vorderen Gurte und Leisten der Rumpfkeule sauber auf dieses ungewöhnliche Maß runtergeschliffen werden müssen. Gar nicht so einfach, wenn man sich wie ich für knüppelhartes Balsa entschieden hat. Hier sind frisch bezogene Schleiflatten ein Muss!
Jetzt wurde es knifflig! Mit ein paar Hilfslinien auf dem Bauplan und viel Vorstellungsvermögen entstehen die Aufnahmen der Tragfläche, der Leitwerke und des Hochstarthakens. Das Bauteil auf dem Bild 3 dient als Verstärkung des Heckbereichs und trägt die Mutter für die Nylonschraube. Mit einem Schlitz für das Seitenleitwerk versehen, wird es vorsichtig in den ebenfalls fertig geschlitzten Leitwerksträger geschoben und nach der exakten Positionierung behutsam mit Sekundenkleber verklebt.
Für die vorderen Rumpfgurte habe ich sehr hartes Balsa ausgewählt. Es ist üblicherweise genau das Material, das jeder Selektion zum Opfer fällt und damit so gut wie nie Verwendung findet! Das harte Balsa lässt sich zwar schwerer bearbeiten, bleibt aber dafür stabil! Der obere Rumpfgurt beherbergt die Flächenbefestigung und den Pogo-Pin für die elektrische Versorgung des Klappenservos. Im unteren Rumpfgurt ist der verstellbare Hochstarthaken integriert. Die Rumpfbeplankung und das Auflagebrettchens der Tragfläche verleihen später dem Rumpf die erforderliche Stabilität!
Was schiefgehen kann, geht auch mal schief! Eine misslungene Bohrung in Balsaholz oder ein kleiner Fehler bei der Nachbearbeitung dünner Materialien passieren schnell. Keine Panik, ein misslungenes Bohrloch lässt sich relativ leicht erneuern!
Tipp - zuerst wird ein Stück Vierkant-Balsa aus der Restekiste mit leichtem Übermaß zum Bohrloch verrundet. Danach wird das fertige Stück auf einer Unterlage gerollt und dabei ein wenig komprimiert. Jetzt stopft man das Teil vorsichtig, aber fest genug in das Bohrloch, lässt es einen Moment aufquellen und verklebt es beidseitig mit dünnflüssigem Sekundenkleber. Anschließend werden die Überstände gekürzt, die Oberflächen sauber verschliffen und abschließend mit Sekundenkleber gehärtet. Jetzt steht einer neuen, hoffentlich erfolgreichen Bohrung nichts mehr im Wege!
Ok, das mit den 9 mm Breite im Bereich der Servos ging gründlich schief! Da die rechte Rumpfbeplankung bereits aufgeleimt war, musste eine Idee her. Also habe ich kurzerhand die schon verklebte Beplankung im Bereich der Servos ausgeschnitten und von außen eine Art Deckel auf den Ausschnitt geklebt. Dieser kleine Eingriff hat letztendlich ausgereicht, um dem doch extrem kurzen Servoarmen den nötigen Spielraum zu geben. Im Übrigen sehen diese angeschliffenen Sperrholzteile irgendwie schön aus!
Immer wenn der Rumpf nach Lösungen verlangte, habe ich zur Entspannung andere Arbeiten erledigt. So entstanden nebenher und ohne echte Vorlage das Höhen- und das Seitenleitwerk. Hier wurde allein die vorgegebene Geometrie des Bauplans übernommen! Das Seitenleitwerk ist fix, lediglich das Höhenleitwerk könnte ein wenig mehr Materialstärke (Dicke) vertragen. Die Entscheidung fällt in Abhängigkeit vom final benötigtem Trimmgewicht.
Mit dem heutigen Verbau der elektronischen Komponenten wurde ein ganz wichtiger Schritt getan. Am Ende ging es, wie bereits vermutet, wirklich um jeden Millimeter! Aus diesem Grund mussten auch alle Anschlusskabel der Servos (Bild 13) individuell angepasst werden. Die zwingend notwendige Mehrarbeit hat sich gelohnt, der Innenraum des Rumpfes sieht richtig ordentlich aus! Der obere Pogo-Pin wurde neu verlötet, damit er später auch im Flügel unter den Holm passt. Zur Isolierung habe ich erstmals "Plasti Dip" eingesetzt und ich muss sagen, das Ergebnis überzeugt!
Die einzige umsetzbare Lösung der Empfänger-Stromversorgung: ein 1S Lipo Akku und eine externe Anschlussbuchse am Rumpf, die mit einer Brücke als Schalter genutzt wird und zusätzlich als Ladeport fungiert. Das Prinzip, das vom "Antares" übernommen wurde, erspart das lästige Öffnen und Schließen der Rumpfklappe. Das Bild 16 skizziert die Umsetzung mit einem 4-poligen Stecker als sicheren Verpolschutz für den händischen Betrieb.
Gestern sind überraschend schnell einige noch benötigte Kleinteile eingetroffen, und so konnte ich heute den Innenraum des Rumpfes fertig komplettieren. Auch hier haben sich die vielen Gedankenspiele gelohnt, denn nach den erforderlichen Lötarbeiten hat jetzt alles seinen Platz gefunden und sowohl die verpolsichere Schaltbrücke als auch die Ladeoption funktionieren einwandfrei!
Was ich beim "Antares" aufgrund der verwendeten 2S-Konfiguration noch umschifft habe, stellt sich beim super engen Rumpf des "Pionier" als die Goldrandlösung heraus! Danke noch mal an die Jungs von Holzklasse.eu für die geistige Vorleistung!
Wieder sind ein paar Stunden im Hobbykeller vergangen und es geht gefühlt in Trippelschritten voran! Das Schöne, der Rumpf nimmt langsam Gestalt an und steht kurz vor seiner Fertigstellung! Es ist einfach erstaunlich, wie viel Bauzeit solch ein Projekt frisst! Auf die fertig beplankte und verschliffene Rumpfkeule habe ich die noch fehlende Tragflächenauflage aufgeleimt. Da die seitliche Klappenöffnung aus Platzgründen keinen Rahmen erhält, wurde als Kompensation die Klappe mit kleinen Auflagefüßen ausgestattet. Dieser Kniff ermöglicht das vorerst dauerhafte Verschließen beim Folieren.
Das stromlinienförmig gestaltete Holzköpfchen der Schaltbrücke dient der Optik und verbessert das alltägliche Handling auf dem Fluggelände! Als wirklich praktisch erweist sich der 4-Pin-Verpolschutz der Schaltbrücke. Diese kann nach dem Ziehen (Ausschalten) einfach um 180 Grad in Flugrichtung gedreht eingesteckt werden und verbleibt so mit Ausnahme des Ladevorgangs immer am Modell!
Heute gab es einen kleinen Rückschlag! Unerwartet hat sich der hintere Teil des Leitwerksträgers beim Bügeln ganz leicht und gleichmäßig nach oben verzogen! Der Auslöser ist wohl der sehr dünne und in diesem Bereich geschlitzte Obergurt. Rein optisch lässt sich das Ganze verkraften. Viel wichtiger, die leicht veränderte EWD konnte mit dem Aufleimen der Höhenleitwerksauflage kompensiert werden!
Mein persönliches Fazit- ein Kastenprofil mit einem 3 mm Obergurt und schmalen 3x3 mm Balsa-Dreikantleisten wären in diesem Bereich vielleicht die bessere Wahl gewesen. Hier hat sich meine Spontanität beim Bau negativ bemerkbar gemacht!
Es ist schön anzusehen, wenn beim Bau endlich etwas Farbe Einzug hält! Darüber hinaus konnte der beschriebene Verzug am Leitwerksträger beherzt weggebügelt werden. Der betroffene Bereich wird hoffentlich mit dem Verkleben des Seitenleitwerks endgültig stabilisiert, da dieses nicht nur mit dem Schlitz selbst, sondern auch mit dem Trägerboden verklebt wird!
Die Schaltbrücke wurde poppig rot foliert, ein nicht ganz ungefährlicher Arbeitsschritt mit einem so kleinen Teil zwischen den Fingerspitzen und dem
160 °C heißen Bügeleisen als Werkzeug. Das Bild 25 verdeutlicht noch einmal sehr schön den enorm schlanken Querschnitt der Rumpfkeule!
Der heutige Sonntag war nicht nur sonnig, sondern auch sehr erfolgreich! Alle Anlenkungen wurden realisiert und trotz der extrem kurzen Servoarme im Rumpf sind alle Ruderausschläge sehr ausgewogen. Beim Seitenwerk werden die 45° Ausschläge links und rechts sauber erreicht. Außerdem stabilisiert das voll versenkte und anständig verklebte Seitenleitwerk, wie zuvor erhofft, den hinteren Teil des Leitwerksträgers. Das Rumpfgewicht von 126 Gramm inklusive Leitwerke aber ohne Trimmblei kann sich sehen lassen, zudem der Rumpf nicht nennenswert kleiner ist als seine größeren Brüder.
Das Höhenleitwerk (Bild 28) wurde noch einmal komplett neu gebaut und anders als bei der ersten Version nicht mehr so extrem verschliffen. Hier fliegt künftig mit der neuen Ruderklappe ein kleiner Anteil "Purito" mit. Mit dieser Ergänzung endet Teil 1 des Bauberichts.
Ich finde Deine Idee mit dem RES Pionier super.
Bin gespannt wann Du ihn zum fliegen mitbringst.
Hallo Frank, danke, dass du mal vorbeischaust! Die Spannung ist ganz auf meiner Seite. Aber jetzt muss ich mich weiter durch das Projekt wühlen, in der Hoffnung, dass alle meine Ideen funktionieren. Einige große Steine sind ja bereits aus dem Weg geräumt!
Für welche Art der Bespannung hast du dich entschieden?
Weiter so, sieht gut aus!
LG Mario
Hallo Mario, ich habe lange mit mir gerungen und mich letztendlich für Folie entschieden.